LPO 2008

LPO 2008 und neue WBO verabschiedet
08-05-07 12:17
Age: 3 days

BY: THOMAS HARTWIG/FN-ABTEILUNG ÖFFENTLICHKEITSARBEIT

Anlässlich der Jahrestagung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) in Rostock. wurde die neue Leistungs-Prüfungs-Ordnung (LPO) sowie die Wettbewerbs-Ordnung (WBO) verabschiedet. Und das sind die wichtigsten Veränderungen der LPO 2008:
Abgeschafft wurden die bisher bekannte Einteilung der Prüfungen in die Kategorien A, B und C. Künftig erfolgt eine Unterscheidung nur noch durch die Klassen (E bis S). Aus den bisherigen Prüfungen der Klasse M der Kategorien A und B wurden M*- und M**-Prüfungen. Damit entfallen zahlreiche Sonderregelungen, die bisher für die einzelnen Kategorien gültig waren.
Komplett aus der LPO ausgelagert wurden die breitensportlichen Wettbewerbe sowie die Reiterwettbewerbe der verschiedenen Disziplinen. Dieses Prüfungsangebot ist nun in der neu geschaffenen Wettbewerbs-Ordnung (WBO) zu finden. Vorteil: Der organisatorische Aufwand für Veranstalter wie Teilnehmer ist bei WBO-Prüfungen deutlich niedriger, gleichzeitig wird die LPO um zahlreiche Bestimmungen verschlankt.
Prüfungen der Klasse E können zukünftig sowohl unter LPO- als auch WBO-Regie durchgeführt werden. Einziger Unterschied: Sollen Prüfungen der Klasse E unter LPO- Bedingungen stattfinden, müssen die Teilnehmer über eine Turnierlizenz verfügen und ihre Pferde als Turnierpferde registriert sein. Dieser, auf ausdrücklichen Wunsch der Landesverbände eingeführte Neuregelung hat zur Folge, dass künftig auch Erfolge in der Klasse E registriert werden und vom Besitzer/Reiter abgerufen werden können. Für Pferde, die in dieser Klasse starten, bedeutet die neue Nachweismöglichkeit von Erfolgen eine Wertsteigerung. Darüber hinaus bietet die neue Regelung Veranstaltern und Landesverbänden eine Vereinfachung in der Nennungs- und Turnierbearbeitung.
Um den Vereinen auch genügend Flexibilität bei der Ausrichtung ihrer Turniere zu geben, sind künftig Veranstaltungen möglich, die zum Teil unter LPO-Regie (alle Prüfungen der Klasse E bis S), zum anderen unter WBO-Regie (sämtliche breitensportliche Wettbewerbe plus gegebenenfalls Prüfungen der Klasse E) stattfinden.
Turniereinsteiger werden ab dem kommenden Jahr etwas mehr ins Schwitzen kommen. So wurde die Mindestwertnote für die Lizenzprüfung zum Aufstieg von Leistungsklasse 6 in Leistungsklasse 5 angehoben. Genügte bisher eine glatte 5,0, muss es künftig eine 6,0, beziehungsweise eine Platzierung in der Klasse A sein. Die Turniersportverantwortlichen der Landesverbände und der FN erhoffen sich dadurch eine Anhebung des reiterlichen Niveaus in den Einsteigerklassen E und A.
Liberaler geworden ist das Geldpreissystem. Die Veranstalter haben nun verschiedene Möglichkeiten, ihre Geldpreise auszuschütten. Für die Klassen E bis M bestehen gleich mehrere Optionen: So kann lediglich an die an erster bis vierter Stelle platzierten Teilnehmer Geldpreise verteilt werden, nur ein bestimmter Prozentsatz des Geldpreis ausgeschüttet werden oder überhaupt kein Geldpreis vorgesehen sein.
Weniger liberal geht es dagegen im Springen bei der Auswahl der zur Verfügung stehenden Gebisse zu. Hier sind zahlreiche bisher in den Kategorien B und C zulässige Gebisse weggefallen, wie etwa das Drei-Ringe-Gebiss oder die Springkandare. Gefördert werden soll damit das „bessere Reiten“ auch in den unteren Prüfungsklassen. Zugelassen sind in den Klassen E bis L lediglich gebrochene Trensengebisse und Stangen-Trensengebisse sowie das gebrochene oder ungebrochene Pelham. Beim Pelham sind die Zäumung mit einem englischen, einem kombinierten oder einem mexikanischen Reithalfter sowie der Einsatz einer Kinnkette oder eines Kinnriemens erlaubt.
Mit der LPO 2008 werden auch eine ganze Reihe neuer zielgruppenorientierter Prüfungsangebote eingeführt, wie beispielsweise Freispringprüfungen für junge Pferde. Zusätzlich zur Reitpferdeprüfung mit ihren zukünftig sechs Einzelnoten gibt es die Gewöhnungsprüfung für drei- und vierjährige Pferde und Ponys. Sie soll eine altersgerechte Ausbildung und schonende Heranführung der jungen Pferde an den Turniersport gewährleisten. Beurteilt werden die Kriterien der Ausbildungsskala in der Gewöhnungsphase, Takt, innere und äußere Losgelassenheit, leichte Anlehnung in den drei Grundgangarten sowie der Gesamteindruck als Reitpferd oder Pony inklusive Charakter und Temperament. Das Bewegungspotenzial fließt bei der Gewöhnungsprüfung in die Beurteilung nicht ein. Eine Chance für Pferde, die nicht mit einem überragenden Gangwerk ausgestattet sind, dafür aber solide ausgebildet und geritten sind. Mit der „Zertifizierung“ durch Erfolge in Gewöhnungsprüfungen soll dem Besitzer des jungen Pferdes, ähnlich wie bei der bereits seit einigen Jahren im Breitensport erfolgreich eingeführten Gelassenheitsprüfung, ein zusätzliches Vermarktungsinstrument geboten werden.
Eine Bereicherung für erwachsene Wieder- oder Neueinsteiger in den Turniersport bieten die FN-Hunterklassen. Bis jetzt lediglich als Pilotprojekt durchgeführt, wurde diese Kombination aus Stilspringen und Springpferdeprüfung fest in der LPO 2008 verankert und sogar weiter ausgebaut. Vorgesehen sind fünf verschiedene Hunterklassen mit Hindernishöhen zwischen 75 und 115 Zentimeter Höhe.
Eine längst fällige Anpassung an das internationale Regelwerk sieht die LPO in der Disziplin Springen vor. Wie in internationalen Prüfungen bereits üblich, wird der erste Ungehorsam zukünftig mit vier und der zweite Ungehorsam mit acht Strafpunkten geahndet. Stürzen Reiter und/oder Pferd, erfolgt aus Sicherheitsgründen generell der Ausschluss.
Weitere organisatorische Veränderungen sind die Abschaffung des Schiedsgerichtes sowie die Einbindung der Turniertierärzte in das Regelwerk. Ähnlich wie bei Richtern oder Parcourschefs werden für sie bei den Landeskommissionen entsprechende Listen geführt.
Thomas HartwigFN-Abteilung Öffentlichkeitsarbeit
Zahleiche weitere Informationen rund um Pferdesport und Pferdezucht finden sich auch unter: www.pferd-aktuell.de