Ethik im Pferdesport

Ethik im Pferdesport - Neue Broschüre definiert Verhaltensregeln

Rund zehn Jahre nach Erscheinen der „Ethischen Grundsätze des Pferdefreundes“ – mit mehr als 150.000 verteilten Exemplaren eine der erfolgreichsten Publikationen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) – wurde jetzt zur Equitana in Essen der Folgeband erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. In der 22-seitigen Ethik-Broschüre „Grundregeln des Verhaltens im Pferdesport“ geht es um das zwischenmenschliche Verhalten. Der Verhaltenskodex für die im Pferdesport agierenden Menschen soll allen Beteiligten ethische und moralische Leitlinien für ihr Handeln bieten.

Der Pferdesport, der sich aufgrund des Umgangs mit dem Sport- und Freizeitpartner Pferd erheblich von anderen Sportarten unterscheidet, ist von einem komplexen Geflecht unterschiedlicher zwischenmenschlicher Beziehungen gekennzeichnet. Ob Reitschüler und Reitlehrer, Turniersportler und Richter, Pferdebesitzer und Stallbetreiber oder Pfleger, Verkäufer, Züchter und Käufer, Vereinsmitglied und Funktionär – an sie alle werden besondere Anforderungen gestellt. Denn neben der Verantwortung für das Pferd sind sie alle auch der Notwendigkeit eines fairen Miteinanders verpflichtet. Wie Breido Graf zu Rantzau (Breitenburg), Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, im Vorwort schreibt, ist es Ziel der Grundregeln, Aufmerksamkeit für einen respektvollen Umgang miteinander zu schaffen und auf allen Ebenen des Sports eine einheitliche Grundeinstellung für ein harmonisches und damit freudvolles Zusammenleben im Pferdesport zu gestalten. Die Broschüre enthält die nachstehend aufgeführten Verhaltensregeln sowie eine umfassende Kommentierung jeder Regel.

Die Broschüre kann kostenlos aus dem Internet (ab April) heruntergeladen oder bezogen werden bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), Abteilung Service, Petra Schaffer, Telefon 02581/6362222, Fax 02581/6362333, E-Mail fn@fn-dokr.de.


Grundregeln des Verhaltens im Pferdesport

Regel 1: Der Reitbetrieb muss von respektvollem Umgang miteinander geprägt sein. Unabhängig von Ausbildungsstand, sportlichem Erfolg, Reitweise, eingesetzter Pferderasse und materiellen Möglichkeiten verdient jeder Pferdesportler die gleiche Achtung und Wertschätzung.

Regel 2: Jeder Pferdesportler ist zu einer fairen und konstruktiven Auseinandersetzung mit einem Reiterkameraden verpflichtet, wenn bei diesem Missstände in Ausbildung und Umgang mit dem Partner Pferd und damit ein Verstoß gegen die „Ethischen Grundsätze des Pferdefreundes” zu erkennen sind.

Regel 3: Erfolg oder Misserfolg im Sport hängen ursächlich von reiterlichen Qualitäten ab. Die (selbst)kritische und aufmunternde Auseinandersetzung mit der Leistung des Einzelnen oder einer Gruppe ist ehrlicher und wirkungsvoller, als die Fehlerquelle in der Eignung des Pferdes zu suchen.

Regel 4: Der Ausbilder muss in pädagogisch einwandfreiem Unterricht fachlich fundiert und motivierend fördern und zugleich Persönlichkeitsentwicklung, eigenverantwortliches Handeln und soziales Verhalten der ihm anvertrauten Schüler fördern. Er soll jederzeit Vorbild sein, ist der Horsemanship verpflichtet und lehnt alle Formen der verbotenen Leistungsbeeinflussung ab.

Regel 5: Der Reitschüler bringt dem Reitlehrer denselben Respekt entgegen, den er von ihm erwartet oder bekommt. Ein offenes Gespräch über Ängste und Überforderung hilft mehr als eine emotionale Diskussion in der Reitbahn.

Regel 6: Eltern der Reitschüler bzw. Voltigierkinder sollen motivierend auf ihre Kinder einwirken und die Erwartungen an die sportliche Entwicklung den realen Gegebenheiten anpassen.

Regel 7: Der Pferdesportler vertraut dem Stallbetreiber und dessen Personal sein Pferd an und erwartet eine gute Behandlung sowie eine den Bedürfnissen des Pferdes angepasste Haltung. Die erbrachte Dienstleistung des Betriebes insgesamt wie des einzelnen Mitarbeiters muss anerkannt und honoriert werden. Eventuelle Missstände sind sachlich zu diskutieren und zu beheben.

Regel 8: Der Turnierrichter muss eine Leistung vorurteilsfrei und auf der Basis seiner fachlichen Qualifikation bewerten und darf sich nie dem Verdacht der Befangenheit aussetzen.

Regel 9: Der Turniersportler hat den Urteilsspruch des Richters im beurteilenden Richtverfahren zu akzeptieren. Bleibt eine Entscheidung unverständlich, ist das klärende Gespräch mit dem Richter das einzig faire Mittel. Polemik in der Öffentlichkeit disqualifiziert den Reiter und verstößt gegen die Grundregeln des Sports.

Regel 10: Der Betreiber eines Handelsstalls bzw. der Pferdeverkäufer muss über die gesetzlichen Vorschriften hinaus im Pferdeverkauf verantwortungsvoll handeln und die Vermittlung eines Pferdes am Ausbildungsstand von Pferd und Käufer sowie an der beabsichtigten Nutzung des Pferdes ausrichten.

Regel 11: Der Funktionär im Pferdesport muss sich seiner Vorbildfunktion und besonderen Verantwortung für den Sport- und Freizeitpartner Pferd bewusst sein. Er ist nicht nur für den ordnungsgemäßen Betrieb eines Reitstalls, Verbandes, Turniers o.ä. zuständig, sondern hat zugleich als Ansprechpartner für Politik, Landwirtschaft und Wirtschaft die Interessen der Pferdesportler und Züchter wahrzunehmen und zu vertreten.

Regel 12: Jeder Pferdesportler ist Nutznießer der vorhandenen Strukturen und Möglichkeiten innerhalb seines Sports. All jene, die sich ehren- oder hauptamtlich für die langfristige Sicherung des Pferdesports als Breitensport in Natur und Umwelt sowie als Leistungssport einsetzen, verdienen Anerkennung und Unterstützung.

FN...aktuell 06/ 21. März 2007